#1: Vom richtigen Üben

Die Frage nach sinnvollem Üben wird jeder anders interpretieren, je nach persönlicher Zielsetzung. Zur Spielbegleitung deiner Lieblingslieder investierst du natürlich weniger, als wenn du Musik studieren willst. Auch nicht jeder möchte auf der großen Bühne stehen, sondern lieber im Freundeskreis am Lagerfeuer oder in kleiner Runde die Ukulele zur Begleitung klingen lassen können.

Optimal ist es, eine feste Zeit am Tag zu haben, zu der Du immer deine Ukulele in die Hand nimmst. Beispielsweise direkt nach der Arbeit nach einer kurzen Entspannung mit einer Tasse Kaffee oder Tee. Du findest dein optimales Zeitfenster.

Steht sie gut sichtbar auf einem Ständer oder lächelt dich von der Wand hängend auffordernd an? Oder liegt sie eingepackt unter der Wäsche oder irgendwo in einer Ecke? Auch das hat Einfluß auf deine Bereitschaft zum Üben.

Ich übe meistens in Blöcken von 20 Minuten, danach mache ich eine kurze Abschaltpause von ca. 5 Minuten. Und das ist auch das Minimum, was ich jedem Anfänger empfehle. Mehr geht immer. Da unser Hirn aber zyklisch lernt und das Gelernte auch erstmal „verdauen“ muß, sollte auch bei längeren Übesessions nach 20 Minuten eine Pause eingelegt werden. Wichtig ist das regelmäßige Wiederholen. Also lieber täglich 20 Minuten als einmal die Woche 1 1/2 Stunden. An freien Tagen komme ich schon mal auf 2-3 Stunden, dann ist aber auch wirklich Schicht im Schaft. Meine Hände können dann irgendwann nicht mehr umsetzen, was mein Hirn ihnen sagen will. Aber ich bin ja auch kein Profi und hab noch andere Dinge im Tagesablauf unterzubringen.

Meine innere Einstellung ist ein weiterer wichtiger Faktor: Ich freu mich mich auf die bevorstehende Herausforderung und die Zeit, die ich mit meinem Instrument verbringen kann. Mit schlechter Laune lass ich es an dem Tag lieber gleich sein.

Und was übe ich am besten? Manchmal spiel ich nur einige Songs und probiere neue Strums oder Pickings aus. Dann höre ich dabei die Qualität meiner Akkorde oder die einzelnen Betonungen. Das andere Mal find ich Tonleitern und Transpositionen genial. Da findet jeder seine persönliche Herausforderung.

Hier einige Tipps für eine gute Übungszeit:

  • Übe langsam, damit das motorische Gedächtnis deine Bewegungen einprägen kann. Jeder Ton und jede Fingerbewegung sollte kontrolliert werden können. Langsam spielen heißt auch flüssig spielen. Schwierige Akkordwechsel ohne Abbruch hinzukriegen klingt einfach besser als ein hektisches Umgreifen. Alles sollte fließend und mit Leichtigkeit gespielt werden können.
  • Übe nur soviel, wie dein Kurzzeitgedächtnis aufnehmen kann. Dies sind grob gesagt 7 Informationen auf einmal. Das kann also erstmal nur die ersten zwei Takte sein mit Melodieverlauf, umgreifen singen etc. Sitzen diese gut nach mehrmaliger Wiederholung, kommen die nächsten zwei Takte usw. Dann übe die ersten beiden mit den nächsten beiden Takten etwas schneller. Beginne mit den schwierigsten Passagen eines Stückes, dann hast du diese schonmal hinter dir. Dafür hast du dir vorher das Stück angeschaut und kennst seine Struktur (Wiederholende Verse, Refrains, Tonartwechel, AABA und ähnliches).
  • Höre dir viele Interpretationen des Stückes an und finde deine Eigene. Das ist gerade bei Jazz-Standards spannend, die ja in tausenden Variationen interpretiert wurden.
  • Der größte Freund beim Üben ist dein Metronom, auch wenn dieses verflixte Ding immer aus den Takt kommt ;-)). Ganz ehrlich: Mit diesem Helferlein hast du immer eine Superorientierung und kannst von gaaanz langsam ja auch schneller einstellen. Manche Apps haben einen Übemodus, die automatisch nach eingegbener Taktzahl schneller werden.
  • Schalte alles ab, was dich vom Üben ablenken kann. Handy auf Flugzeugmodus, Mitbewohner Bescheid geben, Tür zu.
  • Führe ein Tagebuch über deine Übungen. Manche Menschen mögen gerne einen Übeplan mit Kalenderübersicht, indem sie genau aufschreiben, was sie üben wollen und haken dieses dann ab. Sehr hilfreich.
  • Nimm dich auf. Und das ist mein wichtigster Tipp. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schrecklich ich mein Instrumentalspiel und vor allem meinen Gesang teilweise finde. Aber diese Form der Selbstkontrolle, quasi von außen betrachtet ist der größte Motivator zum besser werden wollen. Und es macht auch tierisch Spaß, die eigenen Erfolge selbst zu hören. Mit der Zeit wurde aus der mäkelnden Selbstkritik ein bewußt gesteuertes Hinhören, wo ich noch besser werden möchte. Völlig Wertungsfrei.
  • Vergiss das Atmen nicht. Ehrlich: Locker lassen, durchatmen und weitergeht´s.

Viel Spaß beim täglichen Üben also!!!

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